Motorrevision eines Vespa Motors

Wir zeigen Ihnen hier an Hand von Bildern wie ein Vespa GTR und ein Vespa Sprint Motor zerlegt werden. Die Motoren unterscheiden sich lediglich in der Anordnung des Simmerrings am Hauptwellenlager.

Zerlegen des Vespamotors

Wenn Sie nun beginnen den Motor zu zerlegen sollten Sie darauf achten, dass Sie dies an einem Platz machen, wo der Motor später nicht wieder zusammengebaut wird. Warum ?? Ganz einfach , beim Zerlegen gelangen Reste des Strahlgranulats aus dem Motor auf die Arbeitsfläche und bleibt an Werkzeugen und der Arbeitsfläche haften. Beim Zusammenbau könnte später wieder genau dieses Granulat in Lager ect. gelangen und diese zerstören. Am besten Sie zerlegen den Motor in einer Waschwanne oder noch besser ( wie nachfolgend) in einem Teilereiniger.

Sie benötigen folgendes Werkzeug für die Zerlegung des Vespamotors :

  • Flachschraubendreher
  • Kreuzschraubendreher
  • Durchschlag 15mm
  • Kronenmutternschlüssel ( http://shop.beinschild.de/index.php?a=1129)
  • Polradabzieher (http://shop.beinschild.de/index.php?a=1005)
  • Maulschlüssel SW11
  • Ratsche
  • Stecknuss SW10
  • Stecknuss SW11
  • Stecknuss SW14
  • Stecknuss SW17
  • Stecknuss SW22
  • Spitzzange
  • Innensplintzange
  • Außensplintzange
  • Große Wasserpumpenzange oder Kupplungshalter ( erhältlich bei uns im Shop)
  • Gummihammer
  • Aufbewahrungsbox für Teile

Polrad / Zündung

  1. Öffnen Sie die Mutter SW14 des Polrades*.
  2. Ziehen Sie das Polrad mittels eines Polradabziehers** ab.  Vorsicht ! Unter dem Polrad befindet sich der Mitnehmerkeil, welcher zum Verschwinden neigt.
  3. Markieren Sie die Position der Zündgrundplatte !!
  4. Öffnen Sie die drei Schrauben welche die Zündgrundplatte halten.
  5. Nehmen Sie die Zündgrundplatte ab.

*Da diese meist sehr fest sitzt, ist es ratsam hier mit einem Schlagschrauber zu arbeiten oder mit einem Gummihammer und großer Ratsche diese "aufzuschlagen". Arbeiten Sie mit einem festem gezieltem Schlag .Achtung !! Verletzungsgefahr !!

**Sollte Ihr Polrad kein Gewinde aufweisen, benötigen Sie keinen Abzieher. Das Abziehen des Polrades erfolgt dann mit einem Sicherungsring der oberhalb der Polradmutter sitzt. Drehen Sie die Mutter einfach gegen den Ring und das Polrad löst sich.

Kupplung

  1. Als erstes öffnen Sie die drei Schrauben (SW10) die den Kupplungsdeckel verschließen.
  2. Entfernen Sie die Kupplungsandruckplatte. Dies geschieht durch Eindrücken der Feder an der größeren Öffnung.
  3. Entfernen Sie das umgebogene Plättchen des Sicherungskorbes.
  4. Lösen Sie die Kupplungsmutter mittels eines Kronenmutterschlüssels ( erhältlich bei uns im Shop). Halten Sie die Kupplung zum öffnen mittels eines Kupplungshalters oder mit einer großen Wasserpumpenzange .
  5. Ziehen Sie die Kupplung ab. Achtung !!Unter der Kupplung sitzt der Mitnehmerkeil welcher gern in das Motorgehäuse fällt oder sonst wie verloren geht .
  6. Nehmen Sie die Distanzscheibe auf der Welle ab.

Tipp: Sollten die Schrauben fest sitzen empfehlen wir unsere Schraubenlösemittel. Wir haben einige getestet und das ist nach unserer Meinung das Beste.

 

Zylinder

  1. Öffnen Sie die 4 Muttern SW11 am Zylinderkopf.
  2. Nehmen Sie den Zylinderkopf ab
  3. Ziehen Sie nun vorsichtig den Zylinder ab. Sollte dieser festgerostet sein versuchen Sie als erstes Rostlösemittel. Bringt dies kein Ergebnis müssen Sie den Kolben mittels eines Holzklotzes ausschlagen, damit sich der Zylinder abziehen lässt.
  4. Entfernen Sie mit der Innensplintzange die beiden Sicherungsringe am Kolben.
  5. Treiben* Sie den Kolbenbolzen aus indem Sie den Kolben halten und mit einem Durchschlag den Kolbenbolzen ausschlagen. Vorsicht !!! Nicht zu fest schlagen bzw. gut halten. Das Pleuel darf nicht seitwärts gebogen werden.!!
  6. Drehen Sie die Zylinderstehbolzen heraus, indem Sie diese mittel zwei Muttern kontern.

*Oft ist es hilfreich den Kolben mittels eines Heißluftföns zu erwärmen. Dann lässt sich der Bolzen meist leicht per Hand ausdrücken.

 

Schaltraste

  1. Öffnen Sie die beiden Schrauben SW11
  2. Drehen Sie die Schalteinheit in den 4.Gang
  3. Ziehen Sie die Schaltraste ab.

 

Bremstrommel / Bremsen / Staubblech

  1. Entfernen Sie den Sicherungssplint an der Hauptmutter
  2. Öffnen Sie die Hauptmutter SW22. Da diese sehr fest sitzt, ist es ratsam hier mit einem Schlagschrauber oder mit einem Gummihammer und großer Ratsche diese "aufzuschlagen". Arbeiten Sie mit einem festem gezieltem Schlag .
  3. Ziehen Sie die Bremstrommel ab.
  4. Entfernen Sie die Sicherungsklips der Bremsbeläge.
  5. Drehen Sie die Bremsnocke um 90˚ so dass die Bremsbeläge auf der Flanke der Bremsnocke stehen.
  6. Ziehen Sie die Bremsbeläge stufenweise ab.Vorsicht, dass die Beläge nicht wieder einschnappen !!
  7. Entfernen Sie das Staubblech durch lösen der drei Kreuzschrauben.
  8. Entfernen Sie die drei Gummiringe auf den Bremsbelägenocken und dem Hauptlagergehäuse.

Tipp: Sollten die Bremsbeläge festgerostet sein müssen Sie diese an der Aufnahme spalten. Dies geschieht am besten mittels eines angeschärften Schraubendrehers oder Flachmeißels.

 

Bremsnocke

  1. Entfernen Sie den Sicherungssplint an der Bremsnockenwelle
  2. Ziehen Sie den Bremsnockenhebel ab.
  3. Drücken Sie die Bremsnocke aus

 

 

 

 

Gehäuse

  1. Öffnen Sie alle Muttern SW11 der Gehäuseschrauben
  2. Zum Öffnen des Gehäuses schlagen Sie mit einem Gummihammer vorsichtig von hinten an die vordere Gehäusehälfte. Unterhalb der Schaltrastenbefestigung befindet sich ferner ein Schlagpunkt wo sie ebenfalls ansetzen können.
  3. Ziehen Sie die Gehäusehälften auseinander.

Tipp: Manchmal kann es hilfreich sein vorsichtig mit einem Körner und Hammer auf die Welle der Kurbelwelle ( kupplungsseitig) mit aufgesetzter Mutter zu schlagen damit die Kurbelwelle aus dem Lager kommt. Aber !!! Vorsichtig !! Nicht das Gewinde beschädigen!!

Keinesfalls dürfen Sie versuchen die Hälften mit einem spitzen oder kantigen Gegenstand zu spreizen. Sie zerstören hierdurch die Dichtflächen des Gehäuses !!! 

 

Getriebe

  1. Öffnen Sie den Sicherungsring auf der Getriebehauptwelle mittels der Außenspintzange
  2. Nehmen Sie die Distanzscheibe ab.
  3. Nehmen Sie die Getriebezahnräder ab und merken sich deren Lagerichtung !!!
  4. Schlagen Sie die Getriebehauptwelle aus.

Tipp: Am besten setzten Sie die Hauptmutter auf die Getriebehauptwelle auf . Dies verhindert beim Ausschlagen eine Beschädigung des Gewindes.

 

 

Schaltkreuz

  1. Fixieren Sie mit einem Schraubendreher die Hautwelle.
  2. Öffnen Sie die Schubwelle SW11 . Achtung Linksgewinde !!

Entnehmen Sie das Schaltkreuz durch die Schlitzöffnung.

 

 

Primär / Vorgelege

  1. Öffnen Sie die Haltemutter SW14 der Primärwelle
  2. Drücken Sie die Primärwelle aus. Achtung !Am vorderen Ende ist ein offenes Nadellager mit 23 Nadeln. Achten Sie darauf, dass keine verloren geht bzw. in einer Ecke des Motors vergessen wird.
  3. Entfernen Sie den Sicherungsring des Kugellagers des Primärs
  4. Schlagen Sie das Kugellager aus

Ziehen Sie die Welle heraus.

 

 

Simmeringe

  1. Entfernen Sie die beiden Simmeringe aus dem Kurbelwellengehäuse indem Sie diese samt der Lager auschlagen*.
  2. Entfernen Sie den Simmering der Hauptwelle mittels eines Flachschraubendrehers.
  3. Entfernen Sie den Dichring im Gehäuse der Kickstarterwelle

Achtung ! Es gibt zwei verschiedene Varianten.

Simmerring außen liegend.... dann kann ausgeschlagen werden.

Simmerring innen liegend, dann muss dieser ausgehebelt werden und danach der Sicherungsring des Kurbelwellenlagers entnommen werden, ehe das Lager ausgeschlagen werden kann.

 

Hauptwellenlager

Variante 1

  1. Hebeln Sie den Simmerring aus.
  2. Entnehmen Sie den Sicherrungsring.
  3. Schlagen Sie von innen nach außen das Lager aus.

Variante 2

  1. Entfernen Sie den Sicherrungsring.
  2. Öffnen Sie die Kronenhauptmutter*. Achtung!! Linksgewinde !!
  3. Schlagen Sie ( von innen her) das Hauptwellenlager aus.

Tipp: Diese sitzt manchmal sehr fest und kann oftmals nur aufgeschlagen werden. Auf alle Fälle vorher mit Rostlöser einweichen!!

 

Reinigung

Reinigen Sie nun alle Teile sehr sehr sorgfältig. Insbesondere Reste des Strahlgranulats müssen unbedingt entfernt werden. Spezialreiniger erhalten Sie bei uns im Shop.

Ansonsten können Sie mit Terpentin oder Diesel reinigen.

Vorsicht!!! Brandgefahr und schädliche Dämpfe !!Verwenden Sie niemals Acetone oder Benzin !!!

Überprüfen Sie nun den Motor auf Risse und sonstige Beschädigungen